Samstag, 22. September 2012
Hier stehe ich. Im Regen. Die Tropfen prasseln auf meine Haut und schmerzen wie Peitschenhiebe. Doch ich spüre sie nur nebenbei. Die salzigen, heißen Fluten auf meinen Wangen tun mir so viel mehr weh. Ich schaue zum dunklen Himmel empor. Hinter den Wolken verborgen funkeln die Sterne. Ich spüre plötzlich den Wunsch, zu ihnen hinauf zu fliegen, weit, weit fort von hier. Und nie mehr wiederkehren.
Ich bin dem Regen so dankbar. Er wäscht die unermüdlichen Tränenströme aus meinen Augen und passt so gut zu meiner Stimmung. Ich fühle mich erschlagen. Vom Leben.
Ich weiß nicht, was ich getan habe, so allein da zu stehen. Ich weiß nicht, warum ich das verdient habe. Ich weiß nicht, wer mich so einsam macht. Ich weiß es nicht.
Ich wünsche, der Regen würde niemals aufhören. Würde mich in seinen feuchten Schleiern verbergen und mir auf ewig Trost spenden. Ich wünschte, ich könnte eins sein mit den himmlischen Wassern, im unendlichen Kreislauf des Lebens, entstehen, aufsteigen, fallen, wieder emporsteigen.
Es gibt so vieles, was ich mir wünschen würde.
Schweigend stehe ich nun da, die Tränen rinnen noch immer. Ich schaue in die Wolken und denke daran, dass ich nicht die Einzige bin, die sich diese Himmelsfluten wünscht. Ich denke daran, dass ich nicht die Einzige bin, der es schlecht geht. Ich denke daran, dass es andere gibt, die so viel mehr leiden. Es wäre falsch, weiter mein eigenes Leid zu beweinen, wenn ich doch weiß, dass so viele andere noch mehr Tränen vergießen. Ich wische die Tränen fort. Nun ist mein Wunsch ein anderer. Ich wünschte, die Wolken würden die beglücken, die es nötiger haben. Ich wünschte, der Regen, der mich tröstet, würde erst die Tränen der anderen wegwischen. Ich sehe wieder nach oben. Ich habe nicht gewusst, wie schön die Sterne sein können.
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