Du wirst es nicht verstehen. Du wirst es nie verstehen können, ob du es nun behauptest oder nicht. Keiner von denen wird es jemals verstehen können. Sie haben keine Ahnung von all dem was ich erlebt habe. Sie wissen nicht wieso ich so bin, wie ich bin. So sensibel & verletzlich. Ich bin stark. Das bin ich wirklich.. aber im inneren tut mir das alles weh.Es wird niemals soweit kommen, dass ich jemandem zeige wie hart mich das alles trifft. Ich werde immer auf stark machen & so tuen, als würde mich das alles gar nicht jucken. Ich ignoriere die Schmerzen, lüge mich selbst an & halte dem Druck stand. Doch irgendwann wird es dann wieder so weit sein, dass ich nicht mehr weiter kann. Jeder Schritt tut mir weh, weil diese Gedanken an all das Negative mich fertig machen. Ich kann noch so sehr versuchen gegen an zu kämpfen. Irgendwann ist es einfach genug & ich muss es zulassen. Den Schmerz. Die Trauer & letzt endlich auch meine Tränen. Ich weiß, dass ich meinen Körper schade & meiner Seele auch nichts gutes damit tue, aber es geht nicht einfach. Dieses depressive Mädchen will ich einfach nicht mehr sein. Man soll mich nicht mehr mit traurigen Augen ansehen, als wäre ich hoffnungslos verloren. Das will ich nicht sein! Ich halte dem Druck stand & zeige allen das ich mir nichts anhaben lassen werde. Solange ich mit meiner Klinge, dem Schmerz entfliehen kann komme ich klar! Dieser kurze Augenblick, in dem ich mein Blut aus meinem Körper laufen lasse - er tut mir so gut. Er bringt mich runter & lässt mich durchatmen. Nur dann, kann ich die sein, die ich wirklich bin. Wie das kleine Mädchen, dass ich damals war. Bevor das alles begann. Bevor mir weh getan wurde. Bevor ich verlassen wurde. Und bevor ich alleine klar kommen musste. Ihr wart nie für mich da! Du hast dich ab diesen einen Abend ein Dreck um mich geschert. Ich war dir einfach nichts mehr wert. Und heute? Heute gibst du mir die Schuld an allem. Daran, dass alles schlecht lief. Ich habe dein Leben versaut. Ich habe dir dein Unglück beschert. All das gibst du mir zu spüren. Tag für Tag. Doch Mama? Denkst du manchmal noch an die Tage, an denen ich dem Druck stand gehalten habe. Als kleines zierliches Kind. Verdammt, Mutter? - ich war noch ein Kind & ich habe meine Mutter gebraucht. Doch du konntest mir nur schmerzen zufügen. Jeden Abend lag ich weinend im Bett und versuchte dem Druck stand zu halten. Selbst dann, als ich mich in mein Bett verkroch und leise vor mich hin winselte hast du mich angepackt, angeschrien & fertig gemacht, weil du der Meinung warst ich solle nicht rumheulen und stark bleiben. Du hast jeden Tag von mir verlangt, dass ich dem Druck stand halte. Du hast mich gelehrt alleine klar zu kommen. Doch Mama? Es war zu früh. Ich war zu jung & brauchte deine Hand. Du hättest mich leiten sollen, doch statt dessen bekam ich alles ab. Deine Hand, sie hat mir weh getan. Beschützen! - das hätte sie tun sollen, doch statt dessen hat sie meine Schmerzen verursacht. Es war dir egal. Du hast darüber gelacht & geflucht. Ich war eine Schande für dich. In deinem Mund klang ich immer schrecklich. Und von Tag zu Tag wurde es immer schlimmer. Irgendwann war ich dann nicht einmal mehr deine Tochter. Hörst du dir zu, wenn du über mich sprichst? Tut es dir weh, wenn du meinen Namen in den Mund nimmst. Denkst du dann an all diese Taten. An all das was du mir angetan hast. Oder ist es für dich schon wie vergessen? Ich werde sie nie vergessen können. Ich trage sie an meinem Körper, als Narben mit mir herum. Du bist nicht an allen Narben schuld, aber ist das nicht auch unwichtig? Oh, ich vergaß. Dir war es sowieso egal, als ich anfing im Hochsommer mit Pullover rumzulaufen, weil ich mich für die Narben geschämt habe. Ich wollte nicht das du weißt, dass ich nachgegeben habe. Das ich es nicht mehr ausgehalten habe. Das ich dem Druck nicht mehr stand gehalten habe. Du hast mir eingeredet es wäre meine Aufgabe ohne Liebe klar zu kommen. Ohne Aufmerksamkeit und ohne Hilfe. Meine Kindheit war nicht schön. Es tut mir leid, dass ich das sage Mama. Ich wünschte, ich könnte mich an Tage erinnern, an denen wir zusammen gelacht haben. An dem wir Spaß zusammen hatten. Doch Mama? Solche Tage gibt es für mich nicht. Ich kann mich an keinen solchen Tag erinnern. Ich konnte gerade einmal einen klaren Satz reden, Gedanken denken, Weg laufen und Menschen anschauen, als du mich schon alleine gelassen hast. Du sagst ich sei unfair. Ich hätte nicht das Recht so darüber zu urteilen. Und ich hätte keine Ahnung was wirklich passiert ist. Doch Mama? Ich weiß es. Ich war noch jung, zu jung um alleine durch die Welt zu laufen. Doch ich habe verstanden, was zu Hause ablief. Ich konnte es nie vergessen & nun wird mir das alles bewusst. Seit Jahren schon habe ich verstanden was geschah, in den Jahren, als ich meine Kindheit verlor. Doch es rechtfertigt nichts von alledem, was du getan & gesagt hast. 16 Jahre jung & von der Mutter verlassen. Meine Kindheit, sie war grauenvoll. Ich kam alleine klar. Keine Ahnung wie, aber ich habe es geschafft. Ich habe es überlebt. Und ich bin stolz drauf. Ich kann immer noch sagen - du bist meine Mutter. Ich kann dich nicht hassen, obwohl ich wegen dir nun hoffnungslos verloren bin. 16 Jahre jung & von der eigenen Mutter abgeschoben. Du hast mich vor die Tür gesetzt. Wolltest mich nicht mehr sehen. Hast gesagt, ich sei nicht mehr Tochter. Sie hätte keine Tochter mehr. Ich bin durch die Straßen gestreunert ohne Sinn & Verstand. War wie gelähmt. Doch, ich wusste wir werden uns wieder sehen. Ich habe eine Unterkunft gefunden und habe neue Eltern bekommen. Sie haben mich aufgefangen und zu ihnen gebracht. Es hieß dort sei ich gut aufgehoben. Ich bekam ein Bett & alles nötige zum Leben. Liebe bekam ich von meiner neuen Mutter nicht. Doch das war mir egal. Ich war dran gewöhnt und wollte es auch anders gar nicht haben. Hätte ich mich nicht wohl gefühlt. Ich bin zu dir gefahren. Habe dich vermisst. Mama? Ich habe dich vermisst! Doch es war dir egal. Es hat dich nicht sonderlich gekümmert, als ich vor deiner Tür stand. Die ganze Zeit über bei meinen neuen Eltern habe ich mich still & ruhig verhalten. Ich habe unendlich viel nachgedacht und nur selten mal eine Nacht durch geschlafen. Irgendwann kam ich zu dir zurück. Sie packten meine Sachen in das Auto von meiner Pflegemutter und sagten morgen müsste ich Abschied nehmen - es würde wieder zurück gehen. Ich dachte an die Momente zurück wo meine Mutter die Hand vor mir erhoben hat & musste mir die Tränen verkneifen. Ich war oben in meinem Zimmer.. die letzten Sachen fanden ihren Platz in den Kartons. Die Bilder von der Wand. Es hat Überwindung gekostet sich nicht dagegen zu wehren. Sie sagte, sie wünsche mir viel Glück mit meiner Mama & ich konnte nicht mehr. Ich habe geweint. Einfach nur geweint. Nicht darüber geredet, obwohl sie es wollte. Doch ich habe geschweigt. Ich habe denen nichts erzählt Mama. Sie wissen nichts von all dem. Du hast mir immer gesagt, es sei unfair und nicht richtig was ich sage. Es sind meine Schmerzen, also muss ich auch damit zurecht kommen. Ich bin raus gelaufen. Irgendwohin um mich zu beruhigen. Ritzen konnte ich mich nicht. Wieder im Haus drin gewesen, überkam mich die Angst. Ich flüchtete ins Bett und habe kein Wort mehr gesagt. Am Morgen darauf. - Das Auto war bereit zum Aufbruch. Ich stand neben dem Baum, der seine Blätter so schwungvoll zu Boden fallen lies. Ich schaute das Haus an und schloss meine Augen. Ich stellte mich innerlich auf den Schmerz ein, der wieder kehren wird. Ich verabschiedete mich selbst von der Ruhe, die sich über die Zeit hinweg in mir angesammelt hatte. Sie wird verschwinden, sobald Mama wieder etwas böses sagt. Etwas was mir Schmerzen bereiten wird. Ich stand da und musste meine Zuflucht verlassen und zurück zu ihr. Sie sagte, sie hat sich gebessert.. doch ich hätte mir denken können, dass es nicht lange dauern wird bis es wieder von vorne los geht. Ich nehme das kleine Mädchen in den Armen, dass ich mich ziemlich ins Herz geschlossen hatte und sagt ihr Lebewohl. Ich stieg ins Auto und winkte meiner kleinen Pflegeschwester aus dem Fenster zu. Ich brachte ein Lächeln auf um ihr zu zeigen: Mir geht es gut. Ich wollte nicht, dass sie denkt ich gehe mir Schmerzen. So sollte sie mich nicht in Erinnerung behalten. Und so fuhr ich den Weg zwischen den Feldern entlang Richtung mein zu Hause. Es war schon lange nicht mehr mein zu Hause. Doch, so soll es nun einmal sein. Sie sagten es sei das Beste für mich. Also, wenn das nun wirklich das Beste für mich ist - beschwere ich mich nicht.
Ich halte dem Druck stand ...
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